Deutsche Frauen-Einzelmeisterschaft 2005
Ergebnisse
Zu den Runden: 1 2 3 4 5 6 7 8 9
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Tabelle
| Nr. |
Teilnehmer |
ELO |
DWZ |
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
Punkte |
Buchh |
SoBerg |
| 1. |
Krege, Sandra |
2063 |
2022 |
13S1 |
1 |
3S1 |
18W1 |
5S1 |
2W0 |
6S1 |
4W½ |
12S1 |
7.5 |
43.5 |
34.00 |
| 2. |
Kopylova, Ljubov |
2230 |
2201 |
14S½ |
15W1 |
5S0 |
3W1 |
18S1 |
1S1 |
7W1 |
6W1 |
4S0 |
6.5 |
44.0 |
30.75 |
| 3. |
Müller, Elke |
1967 |
1897 |
9S1 |
6S1 |
1W0 |
2S0 |
7W0 |
19S1 |
8W1 |
5W1 |
11S1 |
6.0 |
44.5 |
26.00 |
| 4. |
Schulz, Stefanie |
2043 |
1954 |
17S½ |
14W1 |
18S0 |
8W1 |
0 |
16W1 |
11S1 |
1S½ |
2W1 |
6.0 |
40.0 |
27.50 |
| 5. |
Großmann, Susan |
2049 |
1977 |
11W½ |
16S1 |
2W1 |
6S½ |
1W0 |
7S½ |
12W1 |
3S0 |
13W1 |
5.5 |
44.5 |
24.50 |
| 6. |
Germann, Heike |
2109 |
1999 |
10S1 |
3W0 |
17S1 |
5W½ |
12S½ |
+ |
1W0 |
2S0 |
7W½ |
4.5 |
46.0 |
19.00 |
| 7. |
Berglitz, Regina |
2076 |
1962 |
15S½ |
17W½ |
0 |
10W1 |
3S1 |
5W½ |
2S0 |
11W½ |
6S½ |
4.5 |
42.0 |
21.00 |
| 8. |
Mader, Manuela |
2041 |
2033 |
0 |
13W1 |
12S½ |
4S0 |
9W1 |
11W½ |
3S0 |
14W½ |
15S1 |
4.5 |
39.5 |
17.75 |
| 9. |
von Herman, Brigit |
2071 |
1949 |
3W0 |
10S½ |
11W0 |
17W1 |
8S0 |
15S½ |
19W1 |
16S½ |
14W1 |
4.5 |
36.0 |
15.75 |
| 10. |
Sautter, Elke |
2033 |
1803 |
6W0 |
9W½ |
14S½ |
7S0 |
15W½ |
17S½ |
+ |
18W½ |
16S1 |
4.5 |
30.5 |
12.50 |
| 11. |
Blodig, Carolin |
1946 |
1777 |
5S½ |
12W½ |
9S1 |
0 |
19W1 |
8S½ |
4W0 |
7S½ |
3W0 |
4.0 |
42.0 |
16.75 |
| 12. |
Hund, Isabel |
2099 |
1978 |
19W½ |
11S½ |
8W½ |
16S½ |
6W½ |
18W1 |
5S0 |
13S½ |
1W0 |
4.0 |
39.5 |
14.75 |
| 13. |
Hannes, Diana |
1957 |
1781 |
1W0 |
8S0 |
19W½ |
15W1 |
16S½ |
14W½ |
18S1 |
12W½ |
5S0 |
4.0 |
38.0 |
13.50 |
| 14. |
Niedermaier, Barbara |
2038 |
1899 |
2W½ |
4S0 |
10W½ |
19S0 |
17W1 |
13S½ |
16W½ |
8S½ |
9S0 |
3.5 |
40.0 |
15.00 |
| 15. |
Schulze, Dorothee |
1975 |
1860 |
7W½ |
2S0 |
16W0 |
13S0 |
10S½ |
9W½ |
17S1 |
19W1 |
8W0 |
3.5 |
38.5 |
13.25 |
| 16. |
Just Dr., Gabriele |
2034 |
1863 |
18S½ |
5W0 |
15S1 |
12W½ |
13W½ |
4S0 |
14S½ |
9W½ |
10W0 |
3.5 |
38.5 |
13.00 |
| 17. |
Mohr, Jutta |
|
1840 |
4W½ |
7S½ |
6W0 |
9S0 |
14S0 |
10W½ |
15W0 |
+ |
18S1 |
3.5 |
34.0 |
10.50 |
| 18. |
Dämering, Katrin |
2109 |
1946 |
16W½ |
19S1 |
4W1 |
1S0 |
2W0 |
12S0 |
13W0 |
10S½ |
17W0 |
3.0 |
42.5 |
13.00 |
| 19. |
Hafenstein, Andrea |
1976 |
1750 |
12S½ |
18W0 |
13S½ |
14W1 |
11S0 |
3W0 |
9S0 |
15S0 |
+ |
3.0 |
32.5 |
7.50 |
Rundenergebnisse
Runde 9
Nach oben
Sandra Krege ist Deutsche Meisterin. In einer wechselhaften Partie blieb sie am Ende
gegen Isabel Hund die Siegerin. Krege inszenierte zunächst einen Bauernaufmarsch am Damenflügel,
während ihre Gegnerin mit ihren Figuren einen Königsangriff versuchte, doch beide kamen nicht recht
vorwärts. Kurz vor der Zeitkontrolle versuchte Hund einen Durchbruch in der Mitte und Krege verpasste
mit 39...Df4 das rechte Mittel dagegen. So kippte der Vorteil leicht auf Hunds Seite. Aber dann ließ
Hund das Eindringen der Dame auf der zweiten Reihe zu und nach Schachgeboten konnte Krege einen Springer
erobern, was Hund zur Aufgabe veranlaßte.
Kreges direkte Kontrahentin um den Meistertitel, Ljubov Kopylova, hatte gegen die glänzend aufspielende
Stefanie Schulz nichts auszurichten. Sie schaffte es nicht rechtzeitig, sich des Drucks auf der D-Linie zu
erwehren. Mit einer feinen Kombination beginnend mit 20.Lxc6 eroberte Schulz eine Qualität. Zwar
hätte sie mit 23.Txd6 alles klarmachen können, denn dieser Zug hätte ein komplettes Turmplus
oder Dame für Turm bedeutet. Doch auch so führte sie ihren Materialvorteil im Endspiel letztendlich
souverän zum Erfolg.
Auch an den anderen Tischen erwiesen sich die Teilnehmerinnen als entscheidungsfreudig. Es gab nur ein Remis
in der Partie Germann vs. Berglitz, und auch dieses könnte man als weitgehend ausgekämpft bezeichnen.
Elke Müller kam mit einem weiteren Sieg auf den dritten Platz und wurde damit für ein starkes Turnier
belohnt. Allerdings bekam sie dabei von Carolin Blodig Schützenhilfe, die es nicht verstand, ihre
strategisch bessere Stellung am Damenflügel in weitere Vorteile umzusetzen. Im Endspiel hatte dann
Müllers Spinger klare Vorteile gegenüber Blodigs schlechten Läufer. Susan Großmann wurde
ebenfalls für ihr weitgehend gutes Turnier mit einem Sieg zum Abschluss belohnt. Diana Hannes hatte
zunächst gut mitgespielt, aber dann die Bedrohung gegen den Punkt e6 unterschätzt.
Niedermaier übersah eine Mattkombination und von Herman konnte sich dadurch noch in die obere
Tabellenhälfte hieven. Kaum hatte Schulze zum Damenflügel hin rochiert, wurde der schon von Mader
müstergültig zertrümmert. Schulze hatte damit auf Dauer keine Chance, Maders Angriffsfiguren
zu entgehen. Der Schlüssel zu Sautters Sieg war die Eroberung des starken Punktes d4, der von einem
Springer besetzt blieb, während Justs Figuren unglücklich standen und nichts zur Verteidigung
beitrugen. Das Eindringen auf der zweiten Reihe entschied das Spiel. Jutta Mohr konnte sich doch noch einen
echten ganzen Punkt am Brett erkämpfen. Sie besiegte Dämering, die nach gutem Turnierbeginn
enttäuscht hatte. Mohr eroberte den schwachen D-Bauern und machte weiter Druck auf der D-Linie.
Dämerings Springer wurde auf ungünstige Felder gezwungen und schließlich abgeholt. Das starke
Läuferpaar erledigte den Rest.
Runde 8
Nach oben
Heute war der Tag der Salonremisen. Nur eines der insgesamt sechs Unentschieden kann mit
Fug und Recht als ausgekämpft tituliert werden, nämlich die Partie Berglitz-Blodig. Berglitz hatte
Blodigs Königsstellung arg bedrängt, aber dabei zwei Bauern geopfert. Im Zuge des abflauenden
Angriffs gingen diese zwar zurück, aber Blodigs Friedensschluss zum Damentausch war wohl – wenn
auch psychologisch verständlich – etwas zu früh, denn im Endspiel hätte sie die besseren
Chancen gehabt.
Auch die Führende, Sandra Krege, remisierte bereits im 24. Zug. Sie hatte zwischenzeitlich einen Bauern
verloren, hätte ihn zum Zeitpunkt des Abbruchs zwar wiederbekommen, sich aber dafür eine
remisverdächtige Konstellation mit ungleichen Läufern eingehandelt. Kopylova dagegen fuhr einen
weiteren souveränen Sieg gegen Germann nach Hause. Sie scheint nun endgültig zu ihrer Form
gefunden zu haben. Damit liegen Krege und Kopylova nun gleichauf mit jeweils 6½ Punkten. Alleine
zwei Buchholz-Punkte sichern Krege noch den ersten Platz. Spannender könnte es kaum sein vor der letzten
Runde. Beide müssen somit auf Sieg spielen. Ihre beiden Gegnerinnen morgen sind schwer einzuschätzen.
Nominal, also von den Wertungszahlen her, bekommt Krege mit Isabel Hund den größeren Brocken.
Doch was den bisherigen Auftritt im Turnier angeht, hat Kopylovas Gegnerin Stefanie Schulz deutlich mehr
überzeugt, was sich auch an ihren erzielten Punkten ablesen lässt.
Die Berg- und Talfahrt von Elke Müller bleibt weiterhin erstaunlich. Nach zwischenzeitlich drei
Verlustpunkten hat sie nun den dritten Sieg in Folge erzielt und sich damit auf den dritten Platz
emporgehangelt. Im Turnier weist sie noch kein einziges Remis auf, was wohl an ihrer kämpferischen und
taktikbetonten Spielweise liegt. Da geht es kompromisslos zur Sache, was für den Zuschauer meist eine
echte Freude ist. Auch heute wieder stand das Brett in Flammen und Opfer und Zwischenzug wechselten einander
ab, so dass das Variantengestrüpp undurchdringlich schien. Als das Matt nicht mehr zu vermeiden war,
gab Großmann auf. Leider hat die Partie einen Schönheitsfehler, denn der vorletzte Zug von
Müller – und damit ihr vorletztes Opfer – war ein Patzer, denn Großmann hätte
mit 28...Dxf4 Müllers Angriffselan stoppen können. Der Turm wäre, weil gefesselt, verloren
gewesen und letztendlich wäre ein großes Bauernplus geblieben. Aber Großmann sah dies
nicht, und so ging der Punkt an Müller.
Am hinteren Ende des Feldes hat sich Dorothee Schulze nun ihren zweiten ganzen Punkt in Folge geholt.
Vielleicht versöhnt dies ein wenig, nachdem sie mit ihrem schwachen Turnierbeginn doch etwas gehadert
hatte. In einer starken Partie drang sie auf der gegnerischen siebten Reihe ein und verschaffte sich einen
starken Freibauern auf der A-Linie. Der Gegenangriff von Hafenstein blieb dagegen weitgehend wirkungslos.
Im Endspiel verpasste letztere aber die Chance, mit 49...Txe3 die Qualität zurückzuopfern, den
gefährlichen Bauern zu eliminieren und in ein remisliches Endspiel mit ungleichen Läufern
abzuwickeln. So brachte Schulze ihren Bauern durch und den ganzen Punkt auf ihr Konto.
Runde 7
Nach oben
Diese Runde gab es nur ein einziges Kurzremis, alle anderen Partien fanden eine
Siegerin. Die beiden Spielerinnen an der Spitze gaben sich keine Blöße, so dass Krege weiter einen
halben Punkt vor Kopylova das Feld anführt. Andere Spielerinnen dürften keine Chancen mehr auf den
Titel haben. Kopylova siegte heute überzeugend über Berglitz. Mit einem Turmopfer, das bei Annahme
zu Matt geführt hätte, brach sie die Königsstellung ihrer Gegnerin auf. Aber auch so hatte
Berglitz keine Chance mehr. Ihr König wurde über das Brett gehetzt und schließlich
mattgesetzt. Schon das zweite ausgespielte Matt in diesem Turnier, was man unter Koryphäen ja eher
selten sieht, da meist vorher aufgegeben wird. Aber warum sollte man dem Gegner nicht auch mal den Triumph
gönnen?!
Krege dagegen tat sich anfangs schwer gegen Germann, die mit zwei starken Zentrumsbauern ihre Stellung
bedrängte. Germann konnte sich zwar noch einen Freibauern auf e6 erarbeiten, diesen aber nicht auf Dauer
halten. So kam Krege zu gutem Gegenspiel und konnte durch geschickte Abtäusche ins Endspiel
überleiten, wo sie mit einem Tempo mehr das Bauernrennen gewann. Interessant auch das Spiel
Großmann-Hund. Letztere glaubte, nach einem Scheinopfer ihres Läufers den gegnerischen Springer
zurückerobern zu können. Doch Großmann bewies ihr, das dem nicht so ist, und das geglaubte
Scheinopfer tatsächlich ein ungewollt echtes war. Beim erzwungenen Damentausch gab Hund auf.
Ein ähnliches Fehlurteil leistete sich Manuela Mader. Auch sie steckte einen Läufer ins Geschäft
in der Hoffnung, einen gegnerischen zurück zu bekommen. Doch Elke Müller hatte offensichtlich weiter
gerechnet, und so hatte Mader plötzlich zwei Leichtfiguren weniger, was sie zur Aufgabe bewegte. Blodig
musste wieder einmal einen Königsmarsch ins gegnerische Lager unternehmen, doch diesmal wurde der
Monarch zur Strecke gebracht. Dorothee Schulze konnte ihren ersten Sieg verbuchen. In einer überlegen
geführten Partie nahm sie Mohr einen Bauern nach dem anderen ab und siegte im Endspiel souverän.
Runde 6
Nach oben
Nachdem die Titelverteidigerin Annemarie Sylvia Meier heute ihre
gestrige Ankündigung, das Turnier abzubrechen, wahrmachte, gewann Heike Germann
ihre Partie an Tisch zwei kampflos. Dies gab etwas Unruhe unter den Kontrahentinnen,
die eine Wettbewerbsverzerrung monierten. Laut Turnierleiter Jürgen Müller
war dies aber nicht anders möglich, da sich Meier nicht offiziell abgemeldet
habe und daher normal ausgelost werden musste. Nach der Runde wurde sie von ihm
aber wegen unentschuldigten Fehlens aus dem Turnier ausgeschlossen, so dass der freie
Platz und damit der kampflose Punkt an den hinteren Tischen verlost werden kann.
Die Spitzenreiterin Sandra Krege musste heute gegen ihre nächste
Verfolgerin, die Internationale Meisterin Kopylova eine bittere Niederlage einstecken,
ihre erste Punktabgabe im Turnier überhaupt. Die Situation vor der Partie war klar:
Krege führte mit 1½ Punkten vor Kopylova, so dass diese unbedingt gewinnen musste,
um überhaupt noch eine Chance auf den Titel zu haben. Denn bei einem Remis hätte
der Abstand von 1½ Punkten weiterhin bestanden, und dieser wäre in den letzten drei
Runden nur noch schwerlich aufzuholen gewesen. Umso erstaunlicher, dass Krege heute mit
Weiß nicht auf Remis spielte, sondern eine scharfe Variante im Sizilianer mit
entgegengesetzten Rochaden wählte. So kam es wie es kommen musste: Es begann ein
Wettlauf der gegenseitigen Königsangriffe, bei dem aber Kopylova ein ganzes
Stück schneller war und Krege nicht rechtzeitig auf Verteidigung umschaltete.
Ansonsten sah man in dieser Runde wieder einige Remisen mehr als zuletzt, doch diese
waren bis auf die Partie Mohr-Sauter alle ausgekämpft. Spektakulär war der vehemente
Angriff von Mader, die auch vor schweren Opfern nicht zurückschreckte und damit
Blodigs König bis auf die fünfte Reihe herauszog. Dann aber fehlte das Material zum
Mattsetzen und die Partie endete im Dauerschach.
Die hervorragend in Turnier gestartete Elke Müller beendete heute ihre
zwischenzeitliche Durststrecke von drei Verlustpunkten und besiegte Andrea Hafenstein.
Damit hat sie jetzt ein ausgeglichenes Punktekonto und noch kein einziges Remis.
Sie hatte ihr mit 34...g5 eine Falle gestellt, in die Hafenstein mit ihrer Antwort
35.f3 prompt hereinfiel, denn nach dem folgenden Turmzug war Hafensteins Dame unrettbar
gefangen. Der Rest war dann eine Frage der Technik. Nachdem Isabel Hund bisher vor allem
durch ihre fünf (Kurz-)Remisen aufgefallen war, zeigte sie heute, was in ihr steckt,
und dies zudem in der längsten Partie des Tages. In einer verkeilten Bauernstruktur
behielt sie die Initiative und konnte dann am Damenflügel einen wichtigen Bauern erobern,
den sie mithilfe des überlegenen Läuferpaares im Endspiel verwertete.
Runde 5
Nach oben
Am Ende der Runde gab es einen Eklat, denn die Titelverteidigerin
Annemarie Sylvia Meier erkärte, das Turnier abzubrechen. Sie begründete dies
mit der Unzufriedenheit über ihr Quartier. Aus Sicht des Schachclubs ist dies
umso erstaunlicher, da es mit dem beanstandeten Hotel bei bereits etlichen
durchgeführten Turnieren bisher noch nie Probleme gab. Unser Vorstand Jürgen
Müller versuchte dennoch, alle Hebel in Bewegung zu setzen und ihr eine
Ausweichunterkunft zu besorgen. Doch alle weiteren angebotenen
Übernachtungsmöglichkeiten wurden
von Meier abgelehnt, und so reiste sie ab. Da sie bereits 50% des Turniers absolviert
hat, bedeutet dies unter Umständen eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung zu
Ungunsten der Spielerinnen, die bereits gegen sie spielten und Punkte abgeben mussten,
während den weiteren gegen sie zugelosten Gegnerinnen ein kampfloser Punkt
zuwächst.
Die Spitzenreiterin Sandra Krege zieht weiterhin einsam ihre Kreise mit
einer weiterhin hundertprozentigen Ausbeute. Heute musste Susan Großmann daran glauben,
die die Partie etwas passiv begann und der Krege schon bald einen bärenstarken Springer
auf d3 vor die Nase setzte. Mit Unterstützung der Turmbatterie auf der D-Linie nahm
diese die Stellung von Großmann unter Druck. Alle Befreiungsversuche schlugen fehl und
dann leitete ein Springeropfer die entscheidende Kombination ein. Großmann sah das
Ende kommen und gab auf.
Aber auch die beiden Favoritinnen Meier und Kopylova punkteten und bleiben damit Krege
auf den Fersen. Meier gewann, da sich ihre Gegnerin Schulz einen Springer an den Rand
gestellt hatte, dann aber nicht mehr genügend decken konnte. So wurde das
unglückliche Tier von Meier erlegt. Schulz wehrte sich noch eine Weile, aber nach
weiteren Materialverlusten gab sie auf. Nach der Abreise von Meier bleibt dieser Sieg
allerdings wertlos, doch der Verlustpunkt für Schulz bleibt wohl bestehen. Umso
ärgerlicher für sie! Kopylova konnte frühzeitig einen »Pfahl
im Fleische« auf a3 etablieren, der Dämering beständig bei der Koordination
ihrer Streitkräfte behinderte. Zusätzlich gewann sie einen Bauern, da das Schlagen mit
16.Dxd5 wegen der Antwort Dc3 mit unabwendbarem Matt nicht möglich war. Das Eindringen der
schwarzen Türme mitsamt Springer besorgte dann den Rest.
Verloren die beiden bayerischen Vertreterinnen Niedermaier und Blodig
gestern noch, so war es heute ein guter Tag für sie. Beide konnten den ganzen Punkt
erkämpfen. Überzeugend ist insbesondere das bisherige Abschneiden von Blodig, die
als vorletzte der Setzliste nun mit 3/5 Punkten in der vorderen Tabellenhälfte rangiert.
Blodig und Hafenstein lieferten sich gegenseitige Angriffe auf den Flügeln bei verkeilten
Bauernreihen in der Mitte. Dann aber entschied sich der Kampf auf dem Königsflügel,
an dem eigentlich Hafenstein angriff, Boldig sich aber gut zur Wehr setzte. Als der
Bauerndurchbruch nicht mehr aufzuhalten war, gab Hafenstein auf. Niedermaier knackte mit
einem Scheinopfer die Mohrsche Königsstellung auf. Ein zur Verteidigung herbeigeeilter
Läufer wurde gefesselt und erobert. Als Mohr dann vor die Wahl zwischen Damentausch und
Matt gestellt wurde, strich sie die Segel.
Runde 4
Nach oben
Nur zwei Remisen am heutigen Spieltag und ein Schwarzsieg der
Titelverteidigerin, ansonsten war es ein guter Tag für die jeweiligen Führerinnen
der weißen Steine. Sandra Krege führt weiterhin das Feld an mit einer makellosen
Bilanz von 4/4 Punkten und hat zwischen sich und die Verfolgerinnen schon einen Punkt
Abstand gebracht. Damit avancierte sie als auf Platz acht gesetzte nun endgültig
zur heißen Titelaspirantin. Schon in der Eröffnung ließ sie ein Springeropfer
vom Stapel, das ihre Gegnerin Dämering wohlweislich nicht annahm. Doch der gegnerische
Königsflügel war damit löchrig geworden und eine schützende Rochade
nicht mehr möglich. Das Eindringen auf der siebten Reihe besiegelte schließlich
Dämerings Schicksal. Eine überzeugende Leistung!
Das erste Remis nach nur neun Zügen war eindeutig aus der Sparte »Salonremis«,
doch das zweite mit ungleicher Materialverteilung, aber Inititive auf der eher schwächeren
Seite hätte sich mancher gerne noch ein wenig länger angesehen. Doch beide
Kontrahentinnen trauten offensichtlich dem Braten nicht und schlossen Remis. Annemarie Meier
hatte es heute leicht, denn Blodig ließ sich freiwillig den Königsflügel
zertrümmern und lud geradezu zum Mattangriff ein. Auch Kopylova fand mit ihrem Sieg
über Elke Müller wieder Anschluss an das Spitzenfeld. Sie hatte zwar einen Bauern
verloren, aber einen zweiten gefährlich nah ans Umwandlungsfeld gebracht. Müller
verpasste mit der Sequenz 35...Lxa3 36.Td8 Sxc7 37.Txh8 Lf8 eine gute Chance, per
Qualitätsopfer den gefährlichen Freibauern zu beseitigen, den gegnerischen Turm
auszusperren, die Initiative an sich zu reißen und die eigenen Bauern zu aktivieren.
Doch stattdessen brachte Kopylova später ihren Bauern durch und Müller musste
die Waffen strecken.
An den hinteren Brettern wurde von den »Schwarzen« zum Teil bereits in der
Eröffnung gepatzt. Niedermaier verlor eine Qualität und fand dann kein Mittel mehr
gegen Hafensteins anstürmende Bauern. Schulze verlor einen Bauern, konnte diesen aber
immerhin in eine zeitweilige Initiative ummünzen. Aber Diana Hannes verteidigte gut,
konnte Damentausch erzwingen, wonach der Rest für sie nur noch eine Frage der Technik
war. Mohr zog nach der Eröffnung zuviel mit der Dame umher und vernachlässigte
ihre Entwicklung. Von Herman nahm dies zum Anlass, auf die Jagd nach derselbigen zu gehen,
was auch glückte. Mohr holte für ihre Dame immerhin noch Turm und Läufer,
aber die Partie war auf Dauer nicht mehr zu retten, auch wenn sie sich noch lange wehrte.
Runde 3
Nach oben
Wieder eine Runde mit nur drei Remisen – die Frauen erweisen sich
als sehr entscheidungssuchend. Am Spitzenbrett musste heute eine Entscheidung zwischen den
beiden Spitzenreiterinnen Elke Müller und Sandra Krege fallen. Müller bewies zunächst
wieder ihre bestechende Form aus den Vorrunden und beherrschte das Geschehen. Sie
zelebrierte ein feines Qualitätsopfer auf d7 und brachte damit den feindlichen König und
seine Dame in die Bredouille. Allerdings setzte sie nicht mit dem stärkeren Sxe5+ mit
Abzugsdrohung gegen die Dame fort. Im Anschluss daran verpuffte ihr Angriff zusehends.
Schließlich griff sie fehl und büßte eine Figur ein, was zur sofortigen Aufgabe
führte. Schade! Krege führt damit das Feld nun mit einem hundertprozentigen Score alleine
an.
Federn lassen musste heute auch die Mitfavoritin Kopylova. Sie machte vor Zeitkontrolle einige
schwache Züge. Großmann nutzte dies aus und verleibte sich ihre Damenbauern ein. Zum 40.
Zug war die Partie strategisch entschieden, doch Kopylova wehrte sich noch einige Züge lang und
versuchte am Ende einen Pattwitz, der aber leicht zu durchschauen war und von der Gegnerin auch
als Falle identifiziert wurde. So gab Kopylova auf. Einen schönen Sieg trug die bayerische Spielerin
Carolin Blodig nach nur 19 Zügen davon. Von Herman hatte das Läuferopfer auf c3 übersehen, mit dem
Blodig mindestens zwei Bauern plus Qualität erobert hätte. Angesichts dieser Aussichten gab von
Herman auf.
In den anderen Begegnungen gab es keine großen Überraschungen. Dämering bewies
Schulz, dass ihr Qualitätsopfer doch korrekt war, denn sie konnte Läufer und Springer durch
Androhung von Dameneinschlag auf h7 mit vernichtendem Angriff und das Zwischenschach auf e6 retten.
Schulz wehrte sich im Anschluss noch lange in bravouröser Weise, doch musste sie am Ende dem
Materialübergewicht Tribut zollen. Berglitz geriet gegen Meier in eine tödliche Fesselung
und verpasste dann aber den Moment zum möglichen Ausbruch mit 30...Txd7 31. Se4 Sb5! Hafenstein
stand lange unter Druck und hatte zwischenzeitlich ein Minus von drei Bauern zu verbuchen. Dann
konnte sie aber ihre Dame aktivieren und Hannes' König mit Schachgeboten drangsalieren.
Am Ende gab sie sich aber mit Remis durch Dauerschach zufrieden, als sie mit 40...Dd3+ 41.De3 Dd1+
42.Kg3 Dg4+ (oder 42.De2 Dxe2+) den gegnerischen Springer hätte erobern können. Dennoch
wäre das Endspiel mit Springer gegen zwei Mehrbauern nicht einfach geworden.
Runde 2
Nach oben
Im Gegensatz zur ersten Runde wurden am zweiten Spieltag eine ganze Reihe von Partien
eindeutig entschieden. Die Runde war ebenso ein Beweis dafür, dass das Teilnehmerinnenfeld sehr
ausgeglichen zu sein scheint, denn diesmal gab es an den beiden ersten Brettern Favoritenstürze. Die
Titelverteidigerin musste gegen Sandra Krege eine bittere Niederlage einstecken. In hochgradiger
Zeitnot schaffte sie es nicht mehr, den 40. Zug aufs Brett zu bekommen, weshalb das Blättchen fiel.
Aber auch so war ihre Stellung eindeutig die schlechtere, nachdem Krege durch eine schöne Kombination
eine Qualität erobert hatte.
Die vielleicht noch größere Sensation des Tages vollbrachte Elke Müller mit ihrem zweiten
Sieg über eine stärker gelistete Gegnerin. Damit steht sie, die aufgrund ihrer Wertungszahl auf
den viertletzten Platz gesetzt war, nun an der Spitze der Tabelle. Ihre Partie spiegelte ihre gute Form
wider. Zug um Zug verschaffte sie sich positionelle Vorteile und krönte das ganze mit einer sauberen
Abschlußkombination.
Barbara Niedermaier als bayerische Vertreterin agierte unglücklich. Sie hatte einen Königsangriff
inszeniert, der zunächst vielversprechend aussah. Doch ihre Gegnerin Stefanie Schulz verteidigte
umsichtig und konnte schließlich Niedermaiers Dame einsperren, was die Entscheidung brachte. Ebenso
Pech hatte am letzten Tisch Diana Hannes, die gegen ihre immerhin fast 100 Punkte höher gewertete
Gegnerin Manuela Mader bereits eine überlegene Stellung herausgearbeitet hatte. Doch die Zeitnot
machte ihr einen Strich durch die Rechnung, und sie verlor im 37. Zug durch Zeitüberschreitung.
Runde 1
Nach oben
In der ersten Runde gab es erstaunlich viele Remisen, wo man doch bei einem
Turnier nach Schweizer System zunächst vor allem Favoritensiege erwarten sollte. Doch etliche der
nominal schwächeren Spielerinnen konnten sich gegen ihre Kontrahentinnen behaupten. Nicht nur das,
Elke Müller besiegte sogar die höher gesetzte Brigitte von Herman. Dabei hatte sie zuvor
sogar eine hübsche taktische Wendung mit Txd4, Dxd4, Lc5 ausgelassen, die einige Züge lang
(26. bis 32. Zug) möglich war. Am Ende münzte sie ihre Überlegenheit dennoch in einen
Sieg um.
Ebenfalls äußerst bemerkenswert ist auch das Remis von Barbara Niedermaier, die gegen die
Mitfavoritin und Internationale Meisterin Kopylova sogar die bessere Stellung erreichte, kurz vor
einem möglichen Bauerngewinn stand, dann aber selbst die Punkteteilung anbot. Keine Überraschung
gab es dagegen am Spitzenbrett, wo die Titelverteidigerin Annemarie Sylvia Meier nicht viel Federlesens
machte und die gegnerische Stellung im Sturm eroberte.
Ein spektakuläres Ende fand die Partie Hannes-Krege, in der sich zum Schluss drei Damen auf dem
Brett befanden. Der heftigste Patzer des Tages aber war definitiv der von Germann, die im 43. Zug die Dame
einstellte. Doch auch ihre Gegnerin Sautter verpasste die Chance, mit 44.Sg5+ die feindliche Dame
gegen ihre zwei Leichtfiguren zu erobern. So gewann Germann glücklich, aber auch dem Spielverlauf
nach verdient. Sautter hätte im Damenendspiel noch auf Dauerschach hoffen können, doch
erlaubte sie ein vorzeitiges Matt.