Gelungener Bundesliga-Heimauftakt des Frauenteams

Zwei Siege - SC 1957 Bad Königshofen schlägt Spitzenreiter der Tabelle

Unser Frauenteam fährt am ersten Heimwochenende in der Bundesliga die ersten vier Punkte ein. Nachdem man sich am Freitagabend in der vorgezogenen 5. Runde noch gegen die Rodewischer Schachmiezen mit 2-4 geschlagen geben musste, konnten am Samstag und Sonntag endlich die ersten Früchte unserer kontinuierlichen Aufbauarbeit geerntet werden. Sensationell wurde der bisherige Spitzenreiter USV TU Dresden mit Jugend-Weltmeisterin Elisabeth Pähtz am Spitzenbrett mit 4-2 geschlagen. Am Sonntag setzten wir noch eins drauf und schlugen Mitaufsteiger SC Rotation Pankow deutlich mit 5-1.

Aber alles der Reihe nach. Am Freitag mussten wir für die vorgezogene 5. Runde gegen die Rodewischer Schachmiezen ins Hotel Ebner ausweichen, da am Freitag ein Abschlussball in der FrankenTherme, unserem Stamm-Spiellokal, tobte. Der unvermeidliche Lärm wäre den Spielerinnen nicht zuzumuten gewesen. Rodewisch war nur zu fünft angetreten, wir führten also gleich 1-0. Allerdings waren die Spielstärkeunterschiede zu groß, so dass nur die 13-jährige Deutsche U14-Meisterin Hanna Marie Klek (Gastspielerin vom TB Erlangen) mit einem souveränen Sieg gegenhalten konnte. Lucie Hodova und Svetlana Oleneva kämpften die kompletten sechs Stunden ums Remis, jedoch ohne Fortune, so dass der Wettkampf gegen unseren Reisepartner mit 2-4 verloren wurde.

Eintrag ins Goldene Buch - erste Ehrennadel in Gold

Übergabe der goldenen Ehrennadel an Petra BlazkovaEintragung des Bundesligateams in das Goldene Buch der Stadt Bad Königshofen Am Samstagmorgen stand der Besuch im Rathaus bei Bürgermeister Thomas Helbling mit Eintrag ins "Goldene Buch der Stadt Bad Königshofen" an. Zu diesem Empfang war auch die 1. Vorsitzende des Unterfränkischen Schachverbandes, Margareta Walther, aus Kleinostheim extra angereist. Nach der Begrüßung verlieh der erste Vorsitzende unseres Vereins, Jürgen Müller, an Petra Blazkova die erste Ehrennadel des Schachclubs 1957 Bad Königshofen in Gold für den 2006 errungenen Deutschen Meistertitel bei den Frauen. Danach entwickelte sich ein munteres Plauderstündchen, da zur Sprache kam, dass der Bürgermeister und der Schachclubvorsitzende zusammen die Schulbank drückten und teilweise die Freizeit zusammen verbrachten. Es wurde aus dem Nähkästchen geplaudert.

Anschließend bereitete man sich mental auf den Wettkampf gegen den aktuellen Tabellenführer USV TU Dresden vor. Da wir leider nicht unser stärkstes Team an die Bretter schicken konnten, machten wir uns wenig Hoffnung auf einen Mannschaftspunkt. Zum angesetzten Spieltermin um 14 Uhr im Großen Kursaal waren die Dresdener noch nicht anwesend. Der nationale Schiedsrichter Dr. Harald Bittner vom SK Bad Neustadt "pfiff" daraufhin die Parallelbegegnung Rodewischer Schachmiezen gegen SC Rotation Pankow pünktlich an. Mit 10 Minuten Verspätung kam dann Dresden mit der zweifachen Weltmeisterin Elisabeth Pähtz am Spitzenbrett im Kursaal an. Zu unserer angenehmen Überraschung waren sie jedoch nur zu viert, bedeutete dies doch zwei sofortige kampflose Brettpunkte für uns.

Erste Mannschaftspunkte in der Bundesliga

Die vier Dresdener Spielerinnen allerdings waren bis auf Brett sechs nominell unseren Spielerinnen klar überlegen, so dass wir nicht wirklich an unsere Chance glaubten. Nachdem allerdings unser Küken Hanna-Marie Klek nach zweieinhalb Stunden ziemlich gut stand, machte sich Hoffnung breit, vieleicht doch ein Unentschieden gegen den haushohen Favoriten erreichen zu können. Alle anderen Partien standen eher schlechter für uns. Petra Blazkova erlaubte sich einen für sie sehr ungewöhnlichen Patzer gegen die Weltmeisterin. Vielleicht aus Nervosität ließ sie einen Turm einzügig stehen und gab nach dessen Wegnahme auf. Hanna-Maries Gegnerin Osmanodja kam zunehmend in Zeitnot und fand nicht mehr die besten Züge, so dass Kleks Königsangriff, der von einem Turmopfer gekrönt wurde, durchdrang. Osmanodja gab auf, da das Matt nicht mehr zu vermeiden war. Wir führten 3:1 und hatten damit unseren ersten Mannschaftspunkt in der Bundesliga gewonnen.

Lucie und Svetlana kämpften verbissen um ein Remis, das zum Mannschaftssieg reichen würde. Lucie hatte einen Bauern weniger, opferte einen Zweiten für das aktive Spiel und wir hatten Hoffnung, dass dies durchschlagen würde. Doch die Gegnerin verteidigte hervorragend, konnte abtauschen und die zwei Mehrbauern letztendlich verwerten. Svetlana hatte eine gefestigte Stellung in einem Endspiel mit Doppelturm und Läufer. Plötzlich opferte die Gegnerin die Qualität und gewann dafür zwei Bauern, die auf dem Damenflügel frei und verbunden waren. Die Stellung war sehr kompliziert und somit rechenintensiv, so dass Dworakowska verstärkt in Zeitnot geriet. Im 34. Zug fiel das Blättchen. Der Mannschaftssieg war glücklich, aber nicht unverdient, und wenn man die letzten drei verlorenen Wettkämpfe sieht, war dies gewissermaßen ausgleichende Gerechtigkeit.

Spontaner Einsatz am Spitzenbrett

Im Laufe des Tages hatte Petra Blazkova die zündende Idee, Katerina Nemcova in einer Blitzaktion doch noch für den Sonntagskampf ans Spitzenbrett zu bekommen. Katerina konnte ja Samstags nicht spielen, da sie bei dem Turnier "Snowflowers" in Marienbad weilte, um sich mit der Weltelite zu messen. Einer der Gegner war Anatoli Karpov, dem sie sogar ein Remis abringen konnte. Das Turnier dauerte aber nur bis Samstag, und so könnte sie am Sonntag für uns spielen. Gesagt, getan! Nach kurzer Absprache mit Katerina per Handy und SMS erkärte diese sich für den Coup bereit, und schon war ein Auto unterwegs nach Marienbad, um sie abzuholen.

Somit konnten wir am Sonntag eine optimale Aufstellung präsentieren und die Vorbereitung der Gegner zunichte machen. Svetlana Oleneva pausierte bereitwillig für Nemcova. Der Wettkampf entwickelte sich bald positiv für uns, denn nach zwei Stunden standen wir schon an allen Brettern besser, bis auf Lucie Hodova, die unter Druck geraten war. Dann ging es Schlag auf Schlag. Gromova machte schnell den ersten Punkt. Katerina Nemcova schlug ein Remisangebot ihrer Gegnerin aus und gewann souverän. Petra Blazkova erhöhte nach klarem Spiel auf 3:0. Hanna-Marie stand klar auf Gewinn. Darja hatte mal wieder ein "Brett in Flammen" mit einer Figur mehr bei heftigen Gegenspiel ihrer Gegnerin. Lucie konnte den Druck abwehren, den verlorenen Bauer zurückgewinnen und in ein Turmendspiel mit gleicher Bauernanzahl abwickeln. Ein Remis war die Folge. Der Kampf war gewonnen. Darja spielte nun weiter voll auf Sieg und konnte letztendlich schön gewinnen. Hanna Marie kämpfte um ihren 100%-Score an diesem Wochenende. Sie hatte bereits vier Bauern mehr in einem Dame-Turm-Endspiel und wollte Turmtausch und damit ein reines Damenendspiel vermeiden. Sie spielte etwas unachtsam und so nutzte die routinierte Gegenspielerin die Möglichkeit eines Turmopfers, um in ein Dauerschach abzuwickeln. Der 5-1 Sieg war angesichts der überzeugend vorgetragenen Partien auch in der Höhe verdient.

Fazit: Ein tolles Wochenende in Bad Königshofen! Wir haben vier Mannschaftspunkte eingefahren. Angesichts der Tatsache, dass drei starke Spielerinnen an den vorderen Brettern fehlten, war dies mehr, als wir erwarten konnten. Damit haben wir Anschluss an das Mittelfeld der Bundesliga gewonnen und das Wort Abstieg vorläufig aus unserem Wortschatz gestrichen. Besonders erfreulich war auch der starke Einstand von Hanna-Marie Klek, die sich mit 2½/3 Punkten zu unserer Top-Punktelieferantin des Wochenendes entwickelte.

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